6:30 Uhr in der Lufthansa-Maschine von München nach Paris. Es ist Samstag. Was heißt, dass nur Touristen im Flieger sitzen. Ich scheine der einzige in schwarzen Schuhen zu sein. Alle anderen tragen Turnschuhe von der Sorte, die so unglaublich gemütlich sind, das Wochenende durch eine europäische Großstadt zu traben – und so aussehen, als hätten sie das schon ein paar mal gemacht. Links neben mir sitzt ein Ehepaar, das vergnügt in einem Paris-Führer blättert. Rechts von mir, nur durch den Gang getrennt, ein während des Fluges pennender Typ Marke Südeuropäer mit verflixt tiefen V-Ausschnitt im T-Shirt, auf dass man deutlich sehen kann, dass er seine Brust rasiert, dies aber schon seit einiger Zeit nicht mehr getan hat. Daneben noch mal ein junges Pärchen. Sie sehr blond, er trägt eine graue Baseball-Mütze mit der dadaistischen Aufschrift „Billabong“ – und sie blättern in einer Broschüre meines Arbeitgebers. Irgendwie erfüllt mich das mit der Zufriedenheit eines jungen Teenagers, der gerade zwei Klassenkameraden beim Knutschen erwischt hat.
Der Flug verläuft angenehm ereignislos. Ich sollte eigentlich schlafen. Kann aber nicht. Seit kurz vor 4 Uhr bin ich auf den Beinen. Eine Zeit, von der ich sonst nur leicht ungläubig andere erzählen höre... Ich blättere in der Samstagsausgabe der SZ, die kostenlos im Terminal auslag. Erdbeben in China, Sturm in Birma, Pipeline-Explosion in Nigeria. Daneben noch Kommentare zum deutscher EM-Mannschaft. Zum Frühstück wird ein Mini-Brötchen mit Putenschinken und ein noch kleinerer Twix-Riegel gereicht. Der fragende Gedanke kommt mir, wie viel Umsatz wohl Süßwarenproduzenten mit Flugzeugportionen ihrer kariesfördernden Produkte machen.
Ich bin auf Geschäftsreise. Meiner ersten. Zusammen mit meiner Kollegin Katrin, die ein paar Reihen vor mir tatsächlich den Schlaf der Gerechten schläft. Beneidenswert.
Wir erreichen den Flughafen Charles de Gaulle nach Zeitplan. Wir sind hier, um eine Boyband abzuholen und mit ihnen den Tag über ein Shooting in Disneyland durchzuziehen. Die Jungs sind um die 20, nett und pünktlich. Sie haben das gewisse Abgefahrene, was man wohl braucht, um die Herzen junger Mädchen zu packen. Ich hatte von Ihnen vorher noch nie gehört. Aber meine musikalischen Kenntnisse haben irgendwann Mitte der 90er Jahre aufgehört. In dem Sinne bin ich schon alt, bevor ich alt bin. Schon tummeln sich die ersten Groupies um die Band und ich denke mir, ich habe das Falsche im Leben gelernt.
Katrin fährt mit den Jungs voraus, ich warte am Flughafen auf die Produktionscrew.
Ich sitze im Untergeschoss des Terminals 1 mit seinem Bahnhofstoilettencharme und esse ein erschreckend teures Schinken-Sandwich – die wohl französischste Spezialität, die ich in meiner Zeit Frankreich kennen gelernt habe.
Es dauert bis die Crew ihr Gepäck hat und ich sie begrüßen kann. Sie haben vier Mädchen mitgebracht, die als Fans den Tag mit der Band verbringen sollen. Aber wir wollen ihnen erst mal weiß machen, die Jungs hätten es nicht geschafft zu kommen. Plötzlich finde ich mich vor der Kamera wieder. (Nachdem ich einen Bettler verscheucht habe – Willkommen in Paris...) Gerechnet hatte ich damit nicht. Noch bevor ich darüber nachdenken kann, dass ich mich doch noch hätte rasieren sollen, sag ich einen kleinen Text auf. Der Beginn einer großen Karriere wird es wohl nicht sein...
Disney hat uns einen Minibus als Transport besorgt. Wir quetschen uns hinein und mit freudigem Erstaunen stelle ich fest, dass ich mich während der Fahrt hervorragend mit dem Fahrer auf Französisch unterhalten kann. Der rechts neben mir sitzende Kameramann ist ebenfalls ganz sympathisch.
Wir sind etwas spät dran, als wir das Resort erreichen. Wir machen uns auf den Weg zu den Walt Disney Studios, wo wir die Presseleute von Disney treffen (inklusive Katrin) sowie die zwei Manager der Band. Wir fangen an, vor dem Eingang des Parks die Fan-Mädchen zu filmen als dann – Überraschung! – die Jungs der Band hinzukommen. Ein großes Hallo und ich blocke ein paar neugierige Touristen ab.
Die erste Frage, die es zu klären gilt, ist wohin mit den Taschen der Produktionscrew. Ich schlage Guest Relations vor – da ich weiß, dass ich mich darauf verlassen kann und da ich hoffe, ein paar alte Kollegen wieder zu sehen. Von den vier hinter der Theke kenne ich noch zwei. Hinten im Büro sitzen zwei meiner alten Chefs. Meine Bitte wird mir nicht abgeschlagen. Die Zeit mit ihnen ist allerdings zu kurz. Ich bin hier zum Arbeiten und nicht aus Nostalgie.
Zurück zum Team. Das Wetter hat sich zum Positiven gewendet und eine beachtliche Entourage zieht da durch den Park: insgesamt sind wir 20 – mit Band, Fans, unseren Presseleuten, unseren Broadcastern, Band-Managern und der dreiköpfigen Produktionscrew. Nur am Rande bemerke ich, wie normal es mir erscheint, wieder hier zu sein...
Wir machen Aufnahmen im ganzen Park: bei High School Musical, auf dem Rock’n’Rollercoaster, vor Hollywood-Kulissen. Schließlich fahre ich mit „Crush’s Coaster“. Auf dem Weg aus dem Park hinaus treffen wir auf den Schauspieler Christian Ulmen. Er hatte in der Zeit, die ich am Flughafen verbrachte, Fotos für uns schießen lassen. Ich kenne seinen VIP-Guide und kann eine ganze Minute plaudern. Dann geht’s weiter.
Kaum eine Stunde haben wir in den Studios verbracht. Schnell holen wir die Taschen der Crew ab mit der Absicht, es dann in der Gepäckaufbewahrung am Disneyland Park abzugeben.
Disneyland selbst ist erfüllt mit Leben. Freundlich klingt die Musik über die Main Street. Es ist, als wäre ich nie weg gewesen.
Allerdings: als ich an der City Hall vorbeigehe – mein Wirkungsort für mehr als ein Jahr – sehe ich kein alt bekanntes Gesicht mehr. Disney ist paradox in der Hinsicht, dass es sich nie zu ändern scheint – und doch verliert mein so sehr die Menschen dort, wenn es einmal verlassen hat. Ein weiter Ex-Chef sieht mich und kommt auf mich zu – auch wenn er meint, er habe gar keine Zeit. Da sind wir schon Zwei. Es tat gut, ihn zu treffen. Kurz mache ich noch bei Baby Care Halt, wo ich auch noch eine Ex-Kollegin treffe.
Schließlich: Mittagessen. Alle anderen sitzen schon an ihren Tischen in dem eleganten Büffet-Restaurant mit seinen Marmorböden und antiken Lampen. Es schmeckt.
Dann weiter. Das Programm ist eng. Noch Aufnahmen bei Space Mountain und Big Thunder Mountain. Weiter zur Parade. Es ist nun fast 17 Uhr. Katrin und ich müssen zurück zum Flughafen. Der letzte Flug geht zwei Stunden später.
Schnell – etwas anderes gibt es Heute nicht – muss ich doch noch zur City Hall. Diesmal tatsächlich geschäftlich. Im Gang treffe ich auf liebe alte Kolleginnen. Eine stellt gleich die Frage, die sie schon in den 14 Monaten, in denen ich mit ihr gearbeitet habe, so gerne gestellt hat und fragt mich, ob ich denn in Deutschland schon eine Freundin gefunden habe. Irgendwie scheinen die versteckt fragenden Anspielungen meiner Großmutter plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Es tut gut, die Drei wiederzusehen. Aber ich hab keine Zeit. Ich würde es bedauern, doch bin ich in erster Linie dankbar, diese Menschen überhaupt gesehen zu haben – wenn auch viel zu kurz. Ich hinterlass eine kurze Grußbotschaft für die, die nicht da sind. Dann in den ersten Stock, um für die Band einen Umschlag abzuholen. Noch ein kurzer Plausch mit zwei weiteren Ex-Kolleginnen.
Und dann ist 5. Ein wenig wie Cinderella um Mitternacht, so muss auch ich nun gehen. Schnellstens. Der Zauber ist vorbei.
Wir verabschieden uns von Band, Fans, Managern und Crew. Unser Transport mit dem freundlichen älteren Franzosen, der uns auch schon hergefahren hatte, wartet bereits. Kaum dass wir im Auto sitzen, beginnt es zu schütten.
Der Fahrer wählt eine Strecke über Landstraßen und durch kleine Dörfer. Die Landschaft wirkt so friedlich und wie aus einem französischen Bilderbuch. Der Regen hört auf, die Sonne kommt hervor. Und über die weiten Ebenen aus Äckern, Wäldchen und kleinen Dörfern spannen sich zum Abschied zwei Regenbögen.
Der ganze Tag war wie ein Traum, der einem beim Erwachen so schnell entgleitet. Katrin und ich sind müde, wollen jetzt nur noch nach Hause. Doch der Rückflug verspätet sich um eine Stunde. Als wir endlich im Flieger sitzen, entschuldigt sich der Pilot mit den Worten, die Maschine habe technische Probleme gehabt...
Kurz nach 20 Uhr heben wir ab. Wieder kann ich nicht schlafen. Dieses Mal sitze ich am Fenster. Zum Abendessen reicht man uns exakt das Selbe, was es bereits zum Frühstück gab. Ich blicke hinaus. Unter uns Wolken, die mal sanft wie eine Decke daliegen und sich mal in Höhen auftürmen und in Täler absenken. Hinter uns die Abendsonne, die alles in ein goldenes Licht taucht. Ich kann nur daran denken, wie sehr mir mein Leben gefällt und welche Chancen es noch bietet. Und ich bin dankbar. Es war ein schöner Tag.
Um Mitternacht liege ich im Bett. Erschöpft. Müde. Glücklich.
Donnerstag, 22. Mai 2008
Samstag, 3. Mai 2008
Mein leben in München: Geld
Geld zu haben oder es nicht zu haben, das ist in München keine Frage. Man hat es einfach, oder – wie in meinem Fall – man hat es nicht. Dann sollte man aber auch nicht darüber sprechen. Und es sich auch bloß nicht anmerken lassen!
So kam es, dass ich mich neulich zu einem Einkaufsbummel habe hinreißen lassen. Passenderweise heißt Münchens Haupt-Einzelhandelszone „Kaufinger Straße“, an der sich die beiden größten deutschen Kaufhausketten Duelle liefern. Daneben finden sich ein renommierter lokaler Herrenausstatter sowie die üblichen, weltweit agierenden Verdächtigen wie Zara und H&M. Geld ausgeben fällt leicht, gerade in einer Stadt, die es ganz gerne hat, etwas kostspieliger zu sein. Es finden sich auch zahlreiche kleinere Geschäfte. Spezialisten etwa, wie der auf Notenblätter spezialisierte Laden am Rathaus. Und fantastische Lebensmittelhändler wie der aus der romantisierenden Fernsehwerbungen hinlänglich bekannte Dalmayr – der allerdings weit aus mehr verkauft als eben nur Kaffee. Vom Viktualienmarkt, auf dem ich schon so manchen Euro gelassen habe, will ich gar nicht anfangen.
Geld wird in München ausgegeben. Es zu haben, wird vorausgesetzt. Wer es nicht hat, sollte besser so tun als ob. Und dann lässt sich dort hervorragend leben: die Restaurants und Cafés, die Clubs und Bars, die Theater und Museen, die Geschäfte und Biergärten. Ich bin gerne dabei.
Meinem Konto tut das nicht gut. Aber darüber redet man besser nicht. Man ist ja in München.
So kam es, dass ich mich neulich zu einem Einkaufsbummel habe hinreißen lassen. Passenderweise heißt Münchens Haupt-Einzelhandelszone „Kaufinger Straße“, an der sich die beiden größten deutschen Kaufhausketten Duelle liefern. Daneben finden sich ein renommierter lokaler Herrenausstatter sowie die üblichen, weltweit agierenden Verdächtigen wie Zara und H&M. Geld ausgeben fällt leicht, gerade in einer Stadt, die es ganz gerne hat, etwas kostspieliger zu sein. Es finden sich auch zahlreiche kleinere Geschäfte. Spezialisten etwa, wie der auf Notenblätter spezialisierte Laden am Rathaus. Und fantastische Lebensmittelhändler wie der aus der romantisierenden Fernsehwerbungen hinlänglich bekannte Dalmayr – der allerdings weit aus mehr verkauft als eben nur Kaffee. Vom Viktualienmarkt, auf dem ich schon so manchen Euro gelassen habe, will ich gar nicht anfangen.
Geld wird in München ausgegeben. Es zu haben, wird vorausgesetzt. Wer es nicht hat, sollte besser so tun als ob. Und dann lässt sich dort hervorragend leben: die Restaurants und Cafés, die Clubs und Bars, die Theater und Museen, die Geschäfte und Biergärten. Ich bin gerne dabei.
Meinem Konto tut das nicht gut. Aber darüber redet man besser nicht. Man ist ja in München.
Samstag, 26. April 2008
Mein Leben in München
Wann ist man in einer neuen Stadt angekommen? Wann fühlt man sich dort heimisch, wo gerade noch unbekannte Straßen, Plätze, Menschen waren? Wann ist man nicht mehr fremd?
Seit bald drei Monaten bin ich nun in München. Erst langsam lerne ich seine Eigenheiten und seinen Charme richtig kennen.
Noch fehlt mir viel. Vor allem ein Leben mit und unter anderen. Neue Leute sind da draußen – nur lerne ich sie nicht kennen. So verbringe ich Samstagabend oft allein. Die Stadt bei Nacht bleibt mir eine fremde Schönheit.
Ich entdecke Neues: neue Geschäfte, neue Straßen, neue Cafés. Den Hofgarten, in dem so oft Straßenmusikaten aufspielen. Die aufregend gefüllten Theken beim Dallmayr. Die bunten Gestalten in der U-Bahn.
Noch kommt es mir komisch vor, wenn ich jemanden in Tracht sehe. Die tragen hier viele. Jung wie alt. Viele auch Zugezogene. Es gehört zum Bild.
Ich lebe in München. Und das gerne. Aber noch pass ich nicht ganz in die Stadt.
Erst, wenn ich Samstagabend nicht mehr alleine zu Hause herum sitze, dann bin ich angekommen...
Seit bald drei Monaten bin ich nun in München. Erst langsam lerne ich seine Eigenheiten und seinen Charme richtig kennen.
Noch fehlt mir viel. Vor allem ein Leben mit und unter anderen. Neue Leute sind da draußen – nur lerne ich sie nicht kennen. So verbringe ich Samstagabend oft allein. Die Stadt bei Nacht bleibt mir eine fremde Schönheit.
Ich entdecke Neues: neue Geschäfte, neue Straßen, neue Cafés. Den Hofgarten, in dem so oft Straßenmusikaten aufspielen. Die aufregend gefüllten Theken beim Dallmayr. Die bunten Gestalten in der U-Bahn.
Noch kommt es mir komisch vor, wenn ich jemanden in Tracht sehe. Die tragen hier viele. Jung wie alt. Viele auch Zugezogene. Es gehört zum Bild.
Ich lebe in München. Und das gerne. Aber noch pass ich nicht ganz in die Stadt.
Erst, wenn ich Samstagabend nicht mehr alleine zu Hause herum sitze, dann bin ich angekommen...
Montag, 25. Februar 2008
Samstag, 16. Februar 2008
München - Meine Wohnung
Es kommt eine Zeit im Leben eines jungen Menschen, zu der er das erste Mal das Elternhaus verlässt und sich alleine in der Welt herumschlagen muss. Mit Wäsche waschen, Nebenkosten und Vermietern.
In den letzten Jahren bin ich bei diesem Kampf durch so manche Wohnung gekommen. Ich habe schon in einer klammen Kammer mit lärmenden Kühlschrank neben dem Bett gewohnt, im obersten Stock eines schwankenden Hochhauses mit beeindruckender Aussicht auf die Errungenschaft der Ludwigshafener Chemie-Industrie, zur Untermiete bei einem Typen, dessen Geschäfte wohl nicht immer ganz legal waren, wie ich Heute noch vermute, und gemeinsam mit mal einem Engländer, mal einem Amerikaner, mal einem Chinesen, Belgier oder Franzosen in einem Zimmer zusammen.
Nun bin ich in München. Und fühl mich zutiefst unwohl. Vielleicht ist es das auch bei mir voranschreitende Alter, dass ich einiges einfach nicht mehr hinnehme... Eine ältere Dame (von jetzt an „Die Alte“ genannt) hat mir ein möbliertes Zimmer in ihrer Altbau-Wohnung untervermietet. Seit sechzig Jahren lebe sie hier, meint sie. Man merkt es. Überall Krimskrams, coole Möbel aus den 50ern und grausige Möbel aus den 60ern. Und dann Zeugs, was wohl nur in Bayern findet: ein Mini-Abendmahlset steht im überladenen, dunklen Flur. Ein Ludwig-Zwo-Porträt hängt im noch dunkleren Esszimmer, wo Die Alte abends stundenlang in ihrer Ecke vor einem Computer hockt. In meinem Zimmer ziert die Holzfigur irgendeiner dubiosen Heiligen eine der Ecken. Fast könnte ich sie lieb gewinnen, stünde sie nicht für alles, was ich nach gerade mal zwei Wochen an diesem Laden hier verabscheuen gelernt habe: es ist dunkel, angestaubt, überladen – ich ringe nach Luft.
Vergangenes Wochenende wurde mir morgens von der Vermieterin alias Die Alte nahe gelegt, doch bitte auch den Duschvorhang im Badezimmer nach der Dusche abzutrocknen... Ich mag nicht recht in die Küche. Ich meine, auf rohen Eiern zu gehen. Ich bin bei ihr zu Hause. Nicht bei mir. Und dafür zahle ich teuer.
Doch ich lerne. Zum Beispiel, mehr Acht darauf zu geben, wann ich den Mietvertrag zu sehen bekomme. In diesem Fall war es ein guter Tag nach meinem Einzug. Was hätte ich anders tun können als unterschreiben? Das war wohl ein Fehler... Nun, so der Vertrag, bin ich verpflichtet, Besuch anzumelden – und auf Übernachtungsgäste werde ein Aufschlag erhoben. Ich will niemanden einladen. Das ist mir so unangenehm.
Schon lange habe ich mich in meiner Haut nicht mehr so unwohl gefühlt wie hier. Es ist nichts, was sie („Die Alte“) exakt gesagt oder getan hätte. Es ist nicht so, als könne ich nicht in die Küche. Es ist nicht so, als wäre ich auf diese vier Wände beschränkt. Aber ich fühle mich eingesperrt. Gegängelt und nicht gerade respektiert.
Eigentlich ist die Wohnung in ihrem stickigen Chaos lustig: mit ihren Heiligen, den übervollen Schränken und Regalen, dem alten Holzfußboden, den uralten Urkunden, die der Familie der Alten irgendwann mal einen bescheidenen Adelstitel attestierten – und ihren zahlreichen Uhren... von denen keine richtige läuft. Nicht im Bad. Nicht in der Küche. In meinem Zimmer ist es ständig kurz nach 3. Welches 3, weiß ich nicht.
Es ist eine tote Wohnung. Ohne Leben. In zwei Wochen bin ich hier draußen. Ich habe meine Kündigung eingereicht. Die Alte ist nicht begeistert. Will die Kündigung nicht akzeptieren Doch ich gehe. Mitleid habe ich da keines.... Noch kämpfe ich auf dem erbarmungslosen Münchner Wohnungsmarkt. Aber ich weiß: hier kann ich nicht bleiben.
Samstag, 9. Februar 2008
München - Erste Eindrücke
München wurde vor 850 Jahren dadurch gegründet, dass in der Nähe einer Mönchssiedlung eine Brücke über die Isar geschlagen wurde. Man wollte Reisende und Handel an diese Stelle binden, um so praktischerweise auch an Geld zu kommen.
Viel hat sich seit damals nicht verändert. München zieht immer noch Massen von Menschen an, hat ein paar bekannte Unternehmen aufzuweisen, ist sakrisch teuer – und oben drein immer noch äußerst katholisch.
Auch mich hat es nun in diese Stadt verschlagen, die nur so darauf versessen ist, zu zeigen wie schön und liebenswert sie ist und daher so gern einen strahlenden, tiefblauen Himmel über ihre Dächer spannt.
Vor einer Woche bin ich angereist. Mit der Bahn. Um mich herum saßen bereits Menschen, die so typisch für München seien mögen: die Studentin neben mir blickte angespannt auf einige selbst zusammengeschriebene Notizen bevor sie sich dann von ihrem Handy mit rosa-leuchtendem Display bannen ließ. Viele hatten ihre Notebooks dabei. So auch ich. Hauptsächlich Männer. Der eine spielte (ein Typ um die 30 mit der unvorteilhaften Kombination aus Haarverlust und Gewichtszunahme), der andere kuckte Filme (ich) und der dritte schrieb einen Artikel über den Heiligen Don Bosco. (In München gibt es gern und viele Heilige.) Ein Typ, der so aus sah, wie die 68er wohl ausgesehen hätten, wären diese vierzig Jahre später dran gewesen, erging sich in welterfassende Reden – vor allem mit zwei schwäbelnden Polizeibeamten in zivil. Ich tat, was jeder tut: höflich wegblicken.
Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt kam die Durchsage „München, Hauptbahnhof“ – in aller bestem mit bayerischem Idiom unterlegten DB-Englisch.
Ich genieße die Stadt: ihre prachtvollen Bauten, ihre Menschen, ihre charmante Art. Sie ist noch überschaubar, hat aber bereits dieses „Was gehen uns die anderen an?“ an sich, das den Bürgern der besten Weltstädte den Ruf einbringt, unfreundlich zu sein. München ist abwechslungsreich. Mit seinen Cafés, seinen Geschäften, seinen Viertel – und wieder den Menschen. Da wären die Ausländer, die durch die Stadt streifen. An jeder Ecke hört man Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Chinesisch und auch noch die Sprachen der unterschiedlichsten, in Integrationsstatistiken auftauchenden Bevölkerungsgruppen. Viele Zugezogene sind in der Stadt. Fast schon schwer erscheint die Suche, einen hier groß gewordenen zu treffen. Und dann die Art: in New York bleiben nur Touristen an roten Ampeln stehen, in Paris niemand. Hier in München stehen die Fußgänger und warten auf grün. Wer es wagen sollte, die völlig freie Straße vorher zu überqueren, muss dem Hagel der bösen Blicke standhalten. Gleichzeitig hat man hier die Ruhe weg. Beim ersten Mal war ich noch überrascht, als der Fahrer meines Feierabend-Busses an einer Haltestelle ausstieg, zu einem an jeder Ecke der Stadt stehenden Zeitungs-Verkaufskästen ging, mit einer Bild zurück kam – und auch noch anfing, diese zu lesen bevor er weiterfuhr. Mittlerweile begreife ich dieses Verhalten als nicht mehr erwähnenswert.
Weltstädtisch ist auch der Umgang dieser Stadt mit der Welt: sie wird toleriert. Wieder findet hier die so genannte Sicherheitskonferenz statt, was bedeutet, dass sehr viel Sicherheit für die Konferierenden produziert werden muss. Die Innenstadt wimmelt von Polizei aus allen Ecken des Freistaates. Die Münchner scheint es nicht zu stören. Unbeeindruckt gehen sie an diesen Sicherheitskräften vorbei und zwischen ihnen hindurch.
In München ist die Welt zu Gast bei Freunden – aber macht bloß nicht den Teppich schmutzig!
Ich fühle mich wohl in dieser Stadt. Sie hat ihre Ecken und Kanten, scheint aber diese auch mit einem gewissen Stolz zu tragen. München ist bürgerlich, konservativ, fortschrittlich, traditionsbewusst, weltoffen und – mein neues zu Hause.
Viel hat sich seit damals nicht verändert. München zieht immer noch Massen von Menschen an, hat ein paar bekannte Unternehmen aufzuweisen, ist sakrisch teuer – und oben drein immer noch äußerst katholisch.
Auch mich hat es nun in diese Stadt verschlagen, die nur so darauf versessen ist, zu zeigen wie schön und liebenswert sie ist und daher so gern einen strahlenden, tiefblauen Himmel über ihre Dächer spannt.
Vor einer Woche bin ich angereist. Mit der Bahn. Um mich herum saßen bereits Menschen, die so typisch für München seien mögen: die Studentin neben mir blickte angespannt auf einige selbst zusammengeschriebene Notizen bevor sie sich dann von ihrem Handy mit rosa-leuchtendem Display bannen ließ. Viele hatten ihre Notebooks dabei. So auch ich. Hauptsächlich Männer. Der eine spielte (ein Typ um die 30 mit der unvorteilhaften Kombination aus Haarverlust und Gewichtszunahme), der andere kuckte Filme (ich) und der dritte schrieb einen Artikel über den Heiligen Don Bosco. (In München gibt es gern und viele Heilige.) Ein Typ, der so aus sah, wie die 68er wohl ausgesehen hätten, wären diese vierzig Jahre später dran gewesen, erging sich in welterfassende Reden – vor allem mit zwei schwäbelnden Polizeibeamten in zivil. Ich tat, was jeder tut: höflich wegblicken.
Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt kam die Durchsage „München, Hauptbahnhof“ – in aller bestem mit bayerischem Idiom unterlegten DB-Englisch.
Ich genieße die Stadt: ihre prachtvollen Bauten, ihre Menschen, ihre charmante Art. Sie ist noch überschaubar, hat aber bereits dieses „Was gehen uns die anderen an?“ an sich, das den Bürgern der besten Weltstädte den Ruf einbringt, unfreundlich zu sein. München ist abwechslungsreich. Mit seinen Cafés, seinen Geschäften, seinen Viertel – und wieder den Menschen. Da wären die Ausländer, die durch die Stadt streifen. An jeder Ecke hört man Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Chinesisch und auch noch die Sprachen der unterschiedlichsten, in Integrationsstatistiken auftauchenden Bevölkerungsgruppen. Viele Zugezogene sind in der Stadt. Fast schon schwer erscheint die Suche, einen hier groß gewordenen zu treffen. Und dann die Art: in New York bleiben nur Touristen an roten Ampeln stehen, in Paris niemand. Hier in München stehen die Fußgänger und warten auf grün. Wer es wagen sollte, die völlig freie Straße vorher zu überqueren, muss dem Hagel der bösen Blicke standhalten. Gleichzeitig hat man hier die Ruhe weg. Beim ersten Mal war ich noch überrascht, als der Fahrer meines Feierabend-Busses an einer Haltestelle ausstieg, zu einem an jeder Ecke der Stadt stehenden Zeitungs-Verkaufskästen ging, mit einer Bild zurück kam – und auch noch anfing, diese zu lesen bevor er weiterfuhr. Mittlerweile begreife ich dieses Verhalten als nicht mehr erwähnenswert.
Weltstädtisch ist auch der Umgang dieser Stadt mit der Welt: sie wird toleriert. Wieder findet hier die so genannte Sicherheitskonferenz statt, was bedeutet, dass sehr viel Sicherheit für die Konferierenden produziert werden muss. Die Innenstadt wimmelt von Polizei aus allen Ecken des Freistaates. Die Münchner scheint es nicht zu stören. Unbeeindruckt gehen sie an diesen Sicherheitskräften vorbei und zwischen ihnen hindurch.
In München ist die Welt zu Gast bei Freunden – aber macht bloß nicht den Teppich schmutzig!
Ich fühle mich wohl in dieser Stadt. Sie hat ihre Ecken und Kanten, scheint aber diese auch mit einem gewissen Stolz zu tragen. München ist bürgerlich, konservativ, fortschrittlich, traditionsbewusst, weltoffen und – mein neues zu Hause.
Mittwoch, 30. Januar 2008
Meine italienische Konversation
Das Schöne daran, die Welt bereist zu haben, sind nicht nur die Fotos, die einen selbst vor Freiheitsstatue, Chinesischer Mauer, Pyramiden oder der McDonald’s Filiale am Roten Platz zeigen, sondern auch die Menschen, die man kennen lernen durfte.
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es eben genau diese zu pflegen. Und so setzte ich mich daran, eine e-Mail an eine aus Italien stammende Bekannte zu verfassen. Um mich etwas weltgewandter zu geben, als ich eigentlich bin, und um ein passendes freundliches Wort zur Einleitung zu finden, wollte ich mich vergewissern, wie man das italienische „Wie geht’s?“ („Come stai?“) korrekt schreibt.
Dank der Allwissenheit Google’s landete ich so auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse, welche netterweise Sprachtipps Deutsch / Italienisch anbietet. Hier wurde ich fündig – und mehr, als ich eigentlich erwartet habe. So kann ich nun auch nach einem Stadtplan fragen („Ce l’ha una pianta della città?“) oder mich über die Auswirkungen eines hygienisch zweifelhaften kleinen Restaurants in beispielsweise Palermo beschweren, wie Magenschmerzen („mal di stomacho“) oder im ungünstigen Fall auch Durchfall („diarrea“).
Schön ist auch der Konversationsvorschlag der Techniker Krankenkasse. Da die Italiener wohl ein lebenslustiges Völkchen zu sein scheinen, die sich mit den Dramen der Politik und des Klimawandels oder der öden Eintönigkeit des Small Talks über Wetter, Leute und Hollywood nicht gerne befassen, schlägt die TK direkt eine Unterhaltung in Richtung zwischenmenschlicher Beziehungen vor:
So fängt also die wohl für Italien-Urlauber typische, da auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse aufgeführte, Konversation mit einem Mitmenschen mit „Mi piaci!“ („du gefällst mir“) an, wobei natürlich die Schönheit der Augen („Hai occhi bellissimi“) gerne hervorgehoben wird. Nun empfiehlt es sich diesen Mitmenschen mit den hübschen Augen auf ein Getränk (am besten mit belebender Wirkung) einzuladen („Andiamo a bere qualcosa insieme?“). Nach einiger Zeit, die man eventuell in einer Bar oder einem Café verbracht hat, will man vermutlich die Konversation etwas ruhiger gestalten. Ein Spaziergang wäre doch genau das Richtige. („Facciamo una passaggiata.“) Gehen wir nun davon aus, dass diese Unterhaltung bislang sehr gut verlaufen ist und unser italienischer Gesprächspartner auch sehr angetan von unserer Sprachgewandtheit ist. Warum sollte man also nicht die Romantik des Moments unterstreichen indem man sich gemeinsam den baldigen Sonnenauf- oder –untergang ansieht? („Vogliamo andare a vedere insieme il levar del sole, il tramonto?“)
Um nun die Dinge etwas in Schwung zu bringen mag es angebracht sein, die morgige Abreise („Parto domani“) zu erwähnen – selbst wenn diese doch tatsächlich erst nachdem man noch zwei Wochen am Teutonengrill von Rimini tiefgebräunt wurde stattfindet.
Sollte diese Unterhaltung ihren gewünschten Erfolg haben, so beendet diese Krankenkasse ihren italienischen Konversationsvorschlag mit dem vielleicht wichtigsten Satz des Abends: „Hai un preservativo?“... die Frage nach dem Besitz eines Kondoms.
Nun mag man diesen Italien-Urlaub des Verfassers der Italienisch / Deutschen Sprachtipps der Techniker Krankenkasse fast neiden. Aber eben nur fast, denn es findet sich noch ein weiteres Wort, das eine eher langfristige Antwort auf zu letzt gestellte Frage bietet, nämlich „gravidanza“... zu Deutsch: „Schwangerschaft“ ...
Es lebe Italien!
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es eben genau diese zu pflegen. Und so setzte ich mich daran, eine e-Mail an eine aus Italien stammende Bekannte zu verfassen. Um mich etwas weltgewandter zu geben, als ich eigentlich bin, und um ein passendes freundliches Wort zur Einleitung zu finden, wollte ich mich vergewissern, wie man das italienische „Wie geht’s?“ („Come stai?“) korrekt schreibt.
Dank der Allwissenheit Google’s landete ich so auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse, welche netterweise Sprachtipps Deutsch / Italienisch anbietet. Hier wurde ich fündig – und mehr, als ich eigentlich erwartet habe. So kann ich nun auch nach einem Stadtplan fragen („Ce l’ha una pianta della città?“) oder mich über die Auswirkungen eines hygienisch zweifelhaften kleinen Restaurants in beispielsweise Palermo beschweren, wie Magenschmerzen („mal di stomacho“) oder im ungünstigen Fall auch Durchfall („diarrea“).
Schön ist auch der Konversationsvorschlag der Techniker Krankenkasse. Da die Italiener wohl ein lebenslustiges Völkchen zu sein scheinen, die sich mit den Dramen der Politik und des Klimawandels oder der öden Eintönigkeit des Small Talks über Wetter, Leute und Hollywood nicht gerne befassen, schlägt die TK direkt eine Unterhaltung in Richtung zwischenmenschlicher Beziehungen vor:
So fängt also die wohl für Italien-Urlauber typische, da auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse aufgeführte, Konversation mit einem Mitmenschen mit „Mi piaci!“ („du gefällst mir“) an, wobei natürlich die Schönheit der Augen („Hai occhi bellissimi“) gerne hervorgehoben wird. Nun empfiehlt es sich diesen Mitmenschen mit den hübschen Augen auf ein Getränk (am besten mit belebender Wirkung) einzuladen („Andiamo a bere qualcosa insieme?“). Nach einiger Zeit, die man eventuell in einer Bar oder einem Café verbracht hat, will man vermutlich die Konversation etwas ruhiger gestalten. Ein Spaziergang wäre doch genau das Richtige. („Facciamo una passaggiata.“) Gehen wir nun davon aus, dass diese Unterhaltung bislang sehr gut verlaufen ist und unser italienischer Gesprächspartner auch sehr angetan von unserer Sprachgewandtheit ist. Warum sollte man also nicht die Romantik des Moments unterstreichen indem man sich gemeinsam den baldigen Sonnenauf- oder –untergang ansieht? („Vogliamo andare a vedere insieme il levar del sole, il tramonto?“)
Um nun die Dinge etwas in Schwung zu bringen mag es angebracht sein, die morgige Abreise („Parto domani“) zu erwähnen – selbst wenn diese doch tatsächlich erst nachdem man noch zwei Wochen am Teutonengrill von Rimini tiefgebräunt wurde stattfindet.
Sollte diese Unterhaltung ihren gewünschten Erfolg haben, so beendet diese Krankenkasse ihren italienischen Konversationsvorschlag mit dem vielleicht wichtigsten Satz des Abends: „Hai un preservativo?“... die Frage nach dem Besitz eines Kondoms.
Nun mag man diesen Italien-Urlaub des Verfassers der Italienisch / Deutschen Sprachtipps der Techniker Krankenkasse fast neiden. Aber eben nur fast, denn es findet sich noch ein weiteres Wort, das eine eher langfristige Antwort auf zu letzt gestellte Frage bietet, nämlich „gravidanza“... zu Deutsch: „Schwangerschaft“ ...
Es lebe Italien!
Sonntag, 27. Januar 2008
Nostalgie (4) & Zukunft
In freudigem Hinblick auf meinen baldigen Wohnort, Heute dieser Blick auf die Fernsehgewohnheiten aus Kindertagen... (Meine Lieblingsepisode ist wohl die im Tierpark Hellabrunn. Als Kind bin ich dort auch noch die Ponys geritten. Arme Viecher... Bei meinen nächsten Besuch werde ich das wohl nicht tun.)
Donnerstag, 24. Januar 2008
Mein alter Lehrer
Mein alter Englischlehrer lief mir über den Weg. Zufällig. In einer Arztpraxis trat er aus dem Fahrstuhl, in den ich gerade rein wollte. Zwei Jahre hatte ich bei ihm Leistungskurs. Zusammen gingen wir durch „Macbeth“, „Pygmalion“ und schauten „Educating Rita“ (mit Sir Michael Caine). Wir nannten ihn „Mister Black“, eine Anspielung auf seinen Namen, die uns damals wohl cleverer vorgekommen sein mag als sie nun im Rückblick tatsächlich ist.
Im Jahre 2000, als die Welt noch einfacher schien, machte ich bei ihm Abitur. Seitdem hatte ich „Mister Black“ nicht wiedergesehen. Wo denn auch?
Und nun stand er also vor mir. Erkannt hat er mich natürlich anfangs nicht. Als Lehrer sieht man genügend Schüler kommen und gehen. Ich hielt es höflich, ihn anzusprechen. Und fragte ihn, wie es ihm ginge.
Was nicht die intelligenteste da nicht gerade taktvollste Frage ist, angesichts dessen, dass er gerade dabei war zum Arzt zu gehen. Einen viel gescheiteren Eindruck sollte ich auch im weiteren Verlauf unseres zweiminütigen Gedankenaustausches nicht werden... Wie steht man bei seinem alten Lehrer denn da, wenn man acht Jahre nach Schulabschluss zwar ein beendetes Studium, aber sonst nicht viel mehr vorweisen kann? Arbeitssuche? Praktikum?
Wie klingt das in seinen Ohren?
Vermutlich nicht so schlimm wie in meinen... Hatte ich mir nach dem Abitur nicht etwas anderes vorgestellt? Aber was genau? Dass ich acht Jahre später einen Job, eine Wohnung, vielleicht sogar Ansätze einer Familie hätte?
Fromme Wünsche eines Menschen, dem damals alles offen schien. Was es natürlich nie war.
„Mister Black“ ist übrigens mittlerweile in Pension.
Für uns Beide ging das Leben weiter. Ich bereue nichts.
Vielleicht hätte ich ihm das noch sagen sollen....
Im Jahre 2000, als die Welt noch einfacher schien, machte ich bei ihm Abitur. Seitdem hatte ich „Mister Black“ nicht wiedergesehen. Wo denn auch?
Und nun stand er also vor mir. Erkannt hat er mich natürlich anfangs nicht. Als Lehrer sieht man genügend Schüler kommen und gehen. Ich hielt es höflich, ihn anzusprechen. Und fragte ihn, wie es ihm ginge.
Was nicht die intelligenteste da nicht gerade taktvollste Frage ist, angesichts dessen, dass er gerade dabei war zum Arzt zu gehen. Einen viel gescheiteren Eindruck sollte ich auch im weiteren Verlauf unseres zweiminütigen Gedankenaustausches nicht werden... Wie steht man bei seinem alten Lehrer denn da, wenn man acht Jahre nach Schulabschluss zwar ein beendetes Studium, aber sonst nicht viel mehr vorweisen kann? Arbeitssuche? Praktikum?
Wie klingt das in seinen Ohren?
Vermutlich nicht so schlimm wie in meinen... Hatte ich mir nach dem Abitur nicht etwas anderes vorgestellt? Aber was genau? Dass ich acht Jahre später einen Job, eine Wohnung, vielleicht sogar Ansätze einer Familie hätte?
Fromme Wünsche eines Menschen, dem damals alles offen schien. Was es natürlich nie war.
„Mister Black“ ist übrigens mittlerweile in Pension.
Für uns Beide ging das Leben weiter. Ich bereue nichts.
Vielleicht hätte ich ihm das noch sagen sollen....
Dienstag, 8. Januar 2008
Musik: The Wombats
Nein, ich werde von niemandem bezahlt. Nicht von Amazon, nicht von iTunes (leider), nicht mal von der Band selbst... Beim Stöbern in einem namentlich nicht genannten Geschäft des Unterhaltungseinzelhandels stieß ich auf "The Wombats", eine Gruppe junger Musiker aus Liverpool, mit ihrem Album "A Guide to Love, Loss and Desperation". Da ich nicht im geringsten das Zeug zum Musikkritiker habe, um über die Lieder, die wie so oft das irrtümerbeladene Verhältnis zwischen Mann und Frau betrachten, zu urteilen und das einzige Argument, das ich vielleicht im Ansatz anführen könnte, der zweifelhafte bzw. fehlende Haarschnitt des Lead Sängers ist, lass ich's einfach. Ich sage nur: reinhören!
"Kill the Director"
"Let's Dance to Joy Division"
"Moving to New York"
"Kill the Director"
"Let's Dance to Joy Division"
"Moving to New York"
Montag, 7. Januar 2008
Nostalgie (3)
Ich grüße alle Freunde und Bekannte in Schweden... manche Kindheitserinnerung sind doch schön - und auch wenn sie nur mit dem Fernsehsessel zu tun haben...
Samstag, 5. Januar 2008
Meine bildliche Scham
Ich habe gesündigt. Das ist mir zu tiefst peinlich. Ich bitte um Verzeihung. Bei euch. Bei den Abonnenten der ”Zeit”. Und bei der Akademie. Welcher ist egal. Denn: ich habe die BILD Zeitung gekauft.
Dies war nicht mal ein Unfall. Nein, ich traf die bewusste Entscheidung, für die Kampfschrift des Springer Verlages Geld auszugeben. Ich nahm dieses sich so eklig billig anfühlende Papier, das durchtränkt ist von der Druckerschwärze der viel zu großen Überschriften, in die Hand und bezahlte dafür.
Lässt sich diese Tat, die so gegen wider meiner innersten die schönen Künste, Philosophie und die sozialen Errungenschaften des modernen Europas schätzenden Überzeugung ist, irgendwie entschuldigen? Zumindest vielleicht erklären:
Ich bin ein guter Enkel.
Ich kaufte dieses Blatt für meinen Großvater. Der ist über 90 Jahre, hat Kaiserreich, Weimarer Republik-Chaos, Hitler, Stunde Null und Bundesrepublik mitgemacht und genießt nun sichtlich, mit seinem Alter alles entschuldigen zu können. Und das schließt die BILD mit ein, diese hetzerische und heuchlerische Ausgeburt deutschen Journalismus. Dieses Machwerk der hinterhältigsten Diffamierung und des niedersten Populismus. Und ich hab sie gekauft. Doch mein Opa freut sich über die BILD mit ihren fast nur aus reißerischen Überschriften bestehenden Artikeln und den jungen Damen, die sich auf jeder zweiten Seite irgendwo räkeln – vermutlich um sich endlich was zum Anziehen leisten zu können, sind sie doch in der Regel recht dürftig bekleidet... was ja auch irgendwie für meinen Opa in seinem biblischen Alter spricht...
Also nahm ich sie für ihn mit. Gut im Einkaufskorb unter Tempo Taschentüchern und dem Salat für’s Abendessen versteckt. Vermutlich wäre mir der Kauf des Hustlers oder selbst der Playgirl weniger peinlich gewesen (nehme ich doch an, dass man auch die für ihre Artikel kaufen kann... oder so...). Erinnert sich noch jemand meiner geneigten Leserschaft an die vielleicht einzig brauchbare Reklame der Deutschen Aidshilfe, in der Ingolf Lück im Supermarkt bei Hella von Sinnen Präservative bezahlen möchte und daraufhin der wundervoll rheinländische Schrei der Frau von Sinnen kommt: ”Tinaaaaa, watt kost’n die Kondooo-me?” Ähnliches befürchtete auch ich, als die Kassiererin die BILD Zeitung über ihren Scanner zog. Wobei ich bei Kondomen keinen so hochroten Kopf bekomme. Immerhin kann man so stolz der ganzen Welt entgegenbrüllen eben ohne zu brüllen: ”YES!!! Ich bekomm’s besorgt Ihr Looooooser!”... Oder so ähnlich eben... Was zeige ich aber mit der BILD? Nun ich kaufte sie in einem Dorfsupermarkt. Und das noch in einem Dorf, in dem bei jeder Wahl noch brav nach der Kirche bei der CDU das Kreuzle gemacht wird. Da dürfte dies noch relativ egal sein.
Aber selbst hier, und um so noch mal auf die Kondome zurückzukommen, findet sich hier im Supermarkt mittlerweile eine breite Auswahl an Präservativen hübsch drapiert neben den Tampons – und auch mehrere Markengleitgel-Produkte. Wann kam denn das im Lebensmittelhandel auf? Bin ich schon so alt und überholt, dass ich meinte, die gäbe es nur im dafür spezialisierten Erotikgeschäft? (Noch Heute halte ich das Wort ”Ehehygiene” für eine Sternstunde der deutschen Sprache...)
Vielleicht packe ich das nächste Mal ein Fläschchen Durex neben die BILD...
Dies war nicht mal ein Unfall. Nein, ich traf die bewusste Entscheidung, für die Kampfschrift des Springer Verlages Geld auszugeben. Ich nahm dieses sich so eklig billig anfühlende Papier, das durchtränkt ist von der Druckerschwärze der viel zu großen Überschriften, in die Hand und bezahlte dafür.
Lässt sich diese Tat, die so gegen wider meiner innersten die schönen Künste, Philosophie und die sozialen Errungenschaften des modernen Europas schätzenden Überzeugung ist, irgendwie entschuldigen? Zumindest vielleicht erklären:
Ich bin ein guter Enkel.
Ich kaufte dieses Blatt für meinen Großvater. Der ist über 90 Jahre, hat Kaiserreich, Weimarer Republik-Chaos, Hitler, Stunde Null und Bundesrepublik mitgemacht und genießt nun sichtlich, mit seinem Alter alles entschuldigen zu können. Und das schließt die BILD mit ein, diese hetzerische und heuchlerische Ausgeburt deutschen Journalismus. Dieses Machwerk der hinterhältigsten Diffamierung und des niedersten Populismus. Und ich hab sie gekauft. Doch mein Opa freut sich über die BILD mit ihren fast nur aus reißerischen Überschriften bestehenden Artikeln und den jungen Damen, die sich auf jeder zweiten Seite irgendwo räkeln – vermutlich um sich endlich was zum Anziehen leisten zu können, sind sie doch in der Regel recht dürftig bekleidet... was ja auch irgendwie für meinen Opa in seinem biblischen Alter spricht...
Also nahm ich sie für ihn mit. Gut im Einkaufskorb unter Tempo Taschentüchern und dem Salat für’s Abendessen versteckt. Vermutlich wäre mir der Kauf des Hustlers oder selbst der Playgirl weniger peinlich gewesen (nehme ich doch an, dass man auch die für ihre Artikel kaufen kann... oder so...). Erinnert sich noch jemand meiner geneigten Leserschaft an die vielleicht einzig brauchbare Reklame der Deutschen Aidshilfe, in der Ingolf Lück im Supermarkt bei Hella von Sinnen Präservative bezahlen möchte und daraufhin der wundervoll rheinländische Schrei der Frau von Sinnen kommt: ”Tinaaaaa, watt kost’n die Kondooo-me?” Ähnliches befürchtete auch ich, als die Kassiererin die BILD Zeitung über ihren Scanner zog. Wobei ich bei Kondomen keinen so hochroten Kopf bekomme. Immerhin kann man so stolz der ganzen Welt entgegenbrüllen eben ohne zu brüllen: ”YES!!! Ich bekomm’s besorgt Ihr Looooooser!”... Oder so ähnlich eben... Was zeige ich aber mit der BILD? Nun ich kaufte sie in einem Dorfsupermarkt. Und das noch in einem Dorf, in dem bei jeder Wahl noch brav nach der Kirche bei der CDU das Kreuzle gemacht wird. Da dürfte dies noch relativ egal sein.
Aber selbst hier, und um so noch mal auf die Kondome zurückzukommen, findet sich hier im Supermarkt mittlerweile eine breite Auswahl an Präservativen hübsch drapiert neben den Tampons – und auch mehrere Markengleitgel-Produkte. Wann kam denn das im Lebensmittelhandel auf? Bin ich schon so alt und überholt, dass ich meinte, die gäbe es nur im dafür spezialisierten Erotikgeschäft? (Noch Heute halte ich das Wort ”Ehehygiene” für eine Sternstunde der deutschen Sprache...)
Vielleicht packe ich das nächste Mal ein Fläschchen Durex neben die BILD...
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