Montag, 25. Februar 2008

Samstag, 16. Februar 2008

München - Meine Wohnung













Es kommt eine Zeit im Leben eines jungen Menschen, zu der er das erste Mal das Elternhaus verlässt und sich alleine in der Welt herumschlagen muss. Mit Wäsche waschen, Nebenkosten und Vermietern.
In den letzten Jahren bin ich bei diesem Kampf durch so manche Wohnung gekommen. Ich habe schon in einer klammen Kammer mit lärmenden Kühlschrank neben dem Bett gewohnt, im obersten Stock eines schwankenden Hochhauses mit beeindruckender Aussicht auf die Errungenschaft der Ludwigshafener Chemie-Industrie, zur Untermiete bei einem Typen, dessen Geschäfte wohl nicht immer ganz legal waren, wie ich Heute noch vermute, und gemeinsam mit mal einem Engländer, mal einem Amerikaner, mal einem Chinesen, Belgier oder Franzosen in einem Zimmer zusammen.
Nun bin ich in München. Und fühl mich zutiefst unwohl. Vielleicht ist es das auch bei mir voranschreitende Alter, dass ich einiges einfach nicht mehr hinnehme... Eine ältere Dame (von jetzt an „Die Alte“ genannt) hat mir ein möbliertes Zimmer in ihrer Altbau-Wohnung untervermietet. Seit sechzig Jahren lebe sie hier, meint sie. Man merkt es. Überall Krimskrams, coole Möbel aus den 50ern und grausige Möbel aus den 60ern. Und dann Zeugs, was wohl nur in Bayern findet: ein Mini-Abendmahlset steht im überladenen, dunklen Flur. Ein Ludwig-Zwo-Porträt hängt im noch dunkleren Esszimmer, wo Die Alte abends stundenlang in ihrer Ecke vor einem Computer hockt. In meinem Zimmer ziert die Holzfigur irgendeiner dubiosen Heiligen eine der Ecken. Fast könnte ich sie lieb gewinnen, stünde sie nicht für alles, was ich nach gerade mal zwei Wochen an diesem Laden hier verabscheuen gelernt habe: es ist dunkel, angestaubt, überladen – ich ringe nach Luft.

Vergangenes Wochenende wurde mir morgens von der Vermieterin alias Die Alte nahe gelegt, doch bitte auch den Duschvorhang im Badezimmer nach der Dusche abzutrocknen... Ich mag nicht recht in die Küche. Ich meine, auf rohen Eiern zu gehen. Ich bin bei ihr zu Hause. Nicht bei mir. Und dafür zahle ich teuer.

Doch ich lerne. Zum Beispiel, mehr Acht darauf zu geben, wann ich den Mietvertrag zu sehen bekomme. In diesem Fall war es ein guter Tag nach meinem Einzug. Was hätte ich anders tun können als unterschreiben? Das war wohl ein Fehler... Nun, so der Vertrag, bin ich verpflichtet, Besuch anzumelden – und auf Übernachtungsgäste werde ein Aufschlag erhoben. Ich will niemanden einladen. Das ist mir so unangenehm.

Schon lange habe ich mich in meiner Haut nicht mehr so unwohl gefühlt wie hier. Es ist nichts, was sie („Die Alte“) exakt gesagt oder getan hätte. Es ist nicht so, als könne ich nicht in die Küche. Es ist nicht so, als wäre ich auf diese vier Wände beschränkt. Aber ich fühle mich eingesperrt. Gegängelt und nicht gerade respektiert.

Eigentlich ist die Wohnung in ihrem stickigen Chaos lustig: mit ihren Heiligen, den übervollen Schränken und Regalen, dem alten Holzfußboden, den uralten Urkunden, die der Familie der Alten irgendwann mal einen bescheidenen Adelstitel attestierten – und ihren zahlreichen Uhren... von denen keine richtige läuft. Nicht im Bad. Nicht in der Küche. In meinem Zimmer ist es ständig kurz nach 3. Welches 3, weiß ich nicht.

Es ist eine tote Wohnung. Ohne Leben. In zwei Wochen bin ich hier draußen. Ich habe meine Kündigung eingereicht. Die Alte ist nicht begeistert. Will die Kündigung nicht akzeptieren Doch ich gehe. Mitleid habe ich da keines.... Noch kämpfe ich auf dem erbarmungslosen Münchner Wohnungsmarkt. Aber ich weiß: hier kann ich nicht bleiben.

Samstag, 9. Februar 2008

München - Erste Eindrücke

München wurde vor 850 Jahren dadurch gegründet, dass in der Nähe einer Mönchssiedlung eine Brücke über die Isar geschlagen wurde. Man wollte Reisende und Handel an diese Stelle binden, um so praktischerweise auch an Geld zu kommen.
Viel hat sich seit damals nicht verändert. München zieht immer noch Massen von Menschen an, hat ein paar bekannte Unternehmen aufzuweisen, ist sakrisch teuer – und oben drein immer noch äußerst katholisch.

Auch mich hat es nun in diese Stadt verschlagen, die nur so darauf versessen ist, zu zeigen wie schön und liebenswert sie ist und daher so gern einen strahlenden, tiefblauen Himmel über ihre Dächer spannt.
Vor einer Woche bin ich angereist. Mit der Bahn. Um mich herum saßen bereits Menschen, die so typisch für München seien mögen: die Studentin neben mir blickte angespannt auf einige selbst zusammengeschriebene Notizen bevor sie sich dann von ihrem Handy mit rosa-leuchtendem Display bannen ließ. Viele hatten ihre Notebooks dabei. So auch ich. Hauptsächlich Männer. Der eine spielte (ein Typ um die 30 mit der unvorteilhaften Kombination aus Haarverlust und Gewichtszunahme), der andere kuckte Filme (ich) und der dritte schrieb einen Artikel über den Heiligen Don Bosco. (In München gibt es gern und viele Heilige.) Ein Typ, der so aus sah, wie die 68er wohl ausgesehen hätten, wären diese vierzig Jahre später dran gewesen, erging sich in welterfassende Reden – vor allem mit zwei schwäbelnden Polizeibeamten in zivil. Ich tat, was jeder tut: höflich wegblicken.
Nach etwas mehr als einer Stunde Fahrt kam die Durchsage „München, Hauptbahnhof“ – in aller bestem mit bayerischem Idiom unterlegten DB-Englisch.

Ich genieße die Stadt: ihre prachtvollen Bauten, ihre Menschen, ihre charmante Art. Sie ist noch überschaubar, hat aber bereits dieses „Was gehen uns die anderen an?“ an sich, das den Bürgern der besten Weltstädte den Ruf einbringt, unfreundlich zu sein. München ist abwechslungsreich. Mit seinen Cafés, seinen Geschäften, seinen Viertel – und wieder den Menschen. Da wären die Ausländer, die durch die Stadt streifen. An jeder Ecke hört man Englisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Chinesisch und auch noch die Sprachen der unterschiedlichsten, in Integrationsstatistiken auftauchenden Bevölkerungsgruppen. Viele Zugezogene sind in der Stadt. Fast schon schwer erscheint die Suche, einen hier groß gewordenen zu treffen. Und dann die Art: in New York bleiben nur Touristen an roten Ampeln stehen, in Paris niemand. Hier in München stehen die Fußgänger und warten auf grün. Wer es wagen sollte, die völlig freie Straße vorher zu überqueren, muss dem Hagel der bösen Blicke standhalten. Gleichzeitig hat man hier die Ruhe weg. Beim ersten Mal war ich noch überrascht, als der Fahrer meines Feierabend-Busses an einer Haltestelle ausstieg, zu einem an jeder Ecke der Stadt stehenden Zeitungs-Verkaufskästen ging, mit einer Bild zurück kam – und auch noch anfing, diese zu lesen bevor er weiterfuhr. Mittlerweile begreife ich dieses Verhalten als nicht mehr erwähnenswert.

Weltstädtisch ist auch der Umgang dieser Stadt mit der Welt: sie wird toleriert. Wieder findet hier die so genannte Sicherheitskonferenz statt, was bedeutet, dass sehr viel Sicherheit für die Konferierenden produziert werden muss. Die Innenstadt wimmelt von Polizei aus allen Ecken des Freistaates. Die Münchner scheint es nicht zu stören. Unbeeindruckt gehen sie an diesen Sicherheitskräften vorbei und zwischen ihnen hindurch.
In München ist die Welt zu Gast bei Freunden – aber macht bloß nicht den Teppich schmutzig!

Ich fühle mich wohl in dieser Stadt. Sie hat ihre Ecken und Kanten, scheint aber diese auch mit einem gewissen Stolz zu tragen. München ist bürgerlich, konservativ, fortschrittlich, traditionsbewusst, weltoffen und – mein neues zu Hause.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Meine italienische Konversation

Das Schöne daran, die Welt bereist zu haben, sind nicht nur die Fotos, die einen selbst vor Freiheitsstatue, Chinesischer Mauer, Pyramiden oder der McDonald’s Filiale am Roten Platz zeigen, sondern auch die Menschen, die man kennen lernen durfte.
Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist es eben genau diese zu pflegen. Und so setzte ich mich daran, eine e-Mail an eine aus Italien stammende Bekannte zu verfassen. Um mich etwas weltgewandter zu geben, als ich eigentlich bin, und um ein passendes freundliches Wort zur Einleitung zu finden, wollte ich mich vergewissern, wie man das italienische „Wie geht’s?“ („Come stai?“) korrekt schreibt.
Dank der Allwissenheit Google’s landete ich so auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse, welche netterweise Sprachtipps Deutsch / Italienisch anbietet. Hier wurde ich fündig – und mehr, als ich eigentlich erwartet habe. So kann ich nun auch nach einem Stadtplan fragen („Ce l’ha una pianta della città?“) oder mich über die Auswirkungen eines hygienisch zweifelhaften kleinen Restaurants in beispielsweise Palermo beschweren, wie Magenschmerzen („mal di stomacho“) oder im ungünstigen Fall auch Durchfall („diarrea“).

Schön ist auch der Konversationsvorschlag der Techniker Krankenkasse. Da die Italiener wohl ein lebenslustiges Völkchen zu sein scheinen, die sich mit den Dramen der Politik und des Klimawandels oder der öden Eintönigkeit des Small Talks über Wetter, Leute und Hollywood nicht gerne befassen, schlägt die TK direkt eine Unterhaltung in Richtung zwischenmenschlicher Beziehungen vor:

So fängt also die wohl für Italien-Urlauber typische, da auf der Internetseite der Techniker Krankenkasse aufgeführte, Konversation mit einem Mitmenschen mit „Mi piaci!“ („du gefällst mir“) an, wobei natürlich die Schönheit der Augen („Hai occhi bellissimi“) gerne hervorgehoben wird. Nun empfiehlt es sich diesen Mitmenschen mit den hübschen Augen auf ein Getränk (am besten mit belebender Wirkung) einzuladen („Andiamo a bere qualcosa insieme?“). Nach einiger Zeit, die man eventuell in einer Bar oder einem Café verbracht hat, will man vermutlich die Konversation etwas ruhiger gestalten. Ein Spaziergang wäre doch genau das Richtige. („Facciamo una passaggiata.“) Gehen wir nun davon aus, dass diese Unterhaltung bislang sehr gut verlaufen ist und unser italienischer Gesprächspartner auch sehr angetan von unserer Sprachgewandtheit ist. Warum sollte man also nicht die Romantik des Moments unterstreichen indem man sich gemeinsam den baldigen Sonnenauf- oder –untergang ansieht? („Vogliamo andare a vedere insieme il levar del sole, il tramonto?“)
Um nun die Dinge etwas in Schwung zu bringen mag es angebracht sein, die morgige Abreise („Parto domani“) zu erwähnen – selbst wenn diese doch tatsächlich erst nachdem man noch zwei Wochen am Teutonengrill von Rimini tiefgebräunt wurde stattfindet.
Sollte diese Unterhaltung ihren gewünschten Erfolg haben, so beendet diese Krankenkasse ihren italienischen Konversationsvorschlag mit dem vielleicht wichtigsten Satz des Abends: „Hai un preservativo?“... die Frage nach dem Besitz eines Kondoms.

Nun mag man diesen Italien-Urlaub des Verfassers der Italienisch / Deutschen Sprachtipps der Techniker Krankenkasse fast neiden. Aber eben nur fast, denn es findet sich noch ein weiteres Wort, das eine eher langfristige Antwort auf zu letzt gestellte Frage bietet, nämlich „gravidanza“... zu Deutsch: „Schwangerschaft“ ...

Es lebe Italien!

Sonntag, 27. Januar 2008

Nostalgie (4) & Zukunft

In freudigem Hinblick auf meinen baldigen Wohnort, Heute dieser Blick auf die Fernsehgewohnheiten aus Kindertagen... (Meine Lieblingsepisode ist wohl die im Tierpark Hellabrunn. Als Kind bin ich dort auch noch die Ponys geritten. Arme Viecher... Bei meinen nächsten Besuch werde ich das wohl nicht tun.)

Donnerstag, 24. Januar 2008

Mein alter Lehrer

Mein alter Englischlehrer lief mir über den Weg. Zufällig. In einer Arztpraxis trat er aus dem Fahrstuhl, in den ich gerade rein wollte. Zwei Jahre hatte ich bei ihm Leistungskurs. Zusammen gingen wir durch „Macbeth“, „Pygmalion“ und schauten „Educating Rita“ (mit Sir Michael Caine). Wir nannten ihn „Mister Black“, eine Anspielung auf seinen Namen, die uns damals wohl cleverer vorgekommen sein mag als sie nun im Rückblick tatsächlich ist.

Im Jahre 2000, als die Welt noch einfacher schien, machte ich bei ihm Abitur. Seitdem hatte ich „Mister Black“ nicht wiedergesehen. Wo denn auch?
Und nun stand er also vor mir. Erkannt hat er mich natürlich anfangs nicht. Als Lehrer sieht man genügend Schüler kommen und gehen. Ich hielt es höflich, ihn anzusprechen. Und fragte ihn, wie es ihm ginge.
Was nicht die intelligenteste da nicht gerade taktvollste Frage ist, angesichts dessen, dass er gerade dabei war zum Arzt zu gehen. Einen viel gescheiteren Eindruck sollte ich auch im weiteren Verlauf unseres zweiminütigen Gedankenaustausches nicht werden... Wie steht man bei seinem alten Lehrer denn da, wenn man acht Jahre nach Schulabschluss zwar ein beendetes Studium, aber sonst nicht viel mehr vorweisen kann? Arbeitssuche? Praktikum?
Wie klingt das in seinen Ohren?

Vermutlich nicht so schlimm wie in meinen... Hatte ich mir nach dem Abitur nicht etwas anderes vorgestellt? Aber was genau? Dass ich acht Jahre später einen Job, eine Wohnung, vielleicht sogar Ansätze einer Familie hätte?
Fromme Wünsche eines Menschen, dem damals alles offen schien. Was es natürlich nie war.

„Mister Black“ ist übrigens mittlerweile in Pension.

Für uns Beide ging das Leben weiter. Ich bereue nichts.
Vielleicht hätte ich ihm das noch sagen sollen....

Dienstag, 8. Januar 2008

Musik: The Wombats

Nein, ich werde von niemandem bezahlt. Nicht von Amazon, nicht von iTunes (leider), nicht mal von der Band selbst... Beim Stöbern in einem namentlich nicht genannten Geschäft des Unterhaltungseinzelhandels stieß ich auf "The Wombats", eine Gruppe junger Musiker aus Liverpool, mit ihrem Album "A Guide to Love, Loss and Desperation". Da ich nicht im geringsten das Zeug zum Musikkritiker habe, um über die Lieder, die wie so oft das irrtümerbeladene Verhältnis zwischen Mann und Frau betrachten, zu urteilen und das einzige Argument, das ich vielleicht im Ansatz anführen könnte, der zweifelhafte bzw. fehlende Haarschnitt des Lead Sängers ist, lass ich's einfach. Ich sage nur: reinhören!

"Kill the Director"


"Let's Dance to Joy Division"


"Moving to New York"

Montag, 7. Januar 2008

Nostalgie (3)

Ich grüße alle Freunde und Bekannte in Schweden... manche Kindheitserinnerung sind doch schön - und auch wenn sie nur mit dem Fernsehsessel zu tun haben...

Samstag, 5. Januar 2008

Meine bildliche Scham

Ich habe gesündigt. Das ist mir zu tiefst peinlich. Ich bitte um Verzeihung. Bei euch. Bei den Abonnenten der ”Zeit”. Und bei der Akademie. Welcher ist egal. Denn: ich habe die BILD Zeitung gekauft.

Dies war nicht mal ein Unfall. Nein, ich traf die bewusste Entscheidung, für die Kampfschrift des Springer Verlages Geld auszugeben. Ich nahm dieses sich so eklig billig anfühlende Papier, das durchtränkt ist von der Druckerschwärze der viel zu großen Überschriften, in die Hand und bezahlte dafür.

Lässt sich diese Tat, die so gegen wider meiner innersten die schönen Künste, Philosophie und die sozialen Errungenschaften des modernen Europas schätzenden Überzeugung ist, irgendwie entschuldigen? Zumindest vielleicht erklären:
Ich bin ein guter Enkel.

Ich kaufte dieses Blatt für meinen Großvater. Der ist über 90 Jahre, hat Kaiserreich, Weimarer Republik-Chaos, Hitler, Stunde Null und Bundesrepublik mitgemacht und genießt nun sichtlich, mit seinem Alter alles entschuldigen zu können. Und das schließt die BILD mit ein, diese hetzerische und heuchlerische Ausgeburt deutschen Journalismus. Dieses Machwerk der hinterhältigsten Diffamierung und des niedersten Populismus. Und ich hab sie gekauft. Doch mein Opa freut sich über die BILD mit ihren fast nur aus reißerischen Überschriften bestehenden Artikeln und den jungen Damen, die sich auf jeder zweiten Seite irgendwo räkeln – vermutlich um sich endlich was zum Anziehen leisten zu können, sind sie doch in der Regel recht dürftig bekleidet... was ja auch irgendwie für meinen Opa in seinem biblischen Alter spricht...

Also nahm ich sie für ihn mit. Gut im Einkaufskorb unter Tempo Taschentüchern und dem Salat für’s Abendessen versteckt. Vermutlich wäre mir der Kauf des Hustlers oder selbst der Playgirl weniger peinlich gewesen (nehme ich doch an, dass man auch die für ihre Artikel kaufen kann... oder so...). Erinnert sich noch jemand meiner geneigten Leserschaft an die vielleicht einzig brauchbare Reklame der Deutschen Aidshilfe, in der Ingolf Lück im Supermarkt bei Hella von Sinnen Präservative bezahlen möchte und daraufhin der wundervoll rheinländische Schrei der Frau von Sinnen kommt: ”Tinaaaaa, watt kost’n die Kondooo-me?” Ähnliches befürchtete auch ich, als die Kassiererin die BILD Zeitung über ihren Scanner zog. Wobei ich bei Kondomen keinen so hochroten Kopf bekomme. Immerhin kann man so stolz der ganzen Welt entgegenbrüllen eben ohne zu brüllen: ”YES!!! Ich bekomm’s besorgt Ihr Looooooser!”... Oder so ähnlich eben... Was zeige ich aber mit der BILD? Nun ich kaufte sie in einem Dorfsupermarkt. Und das noch in einem Dorf, in dem bei jeder Wahl noch brav nach der Kirche bei der CDU das Kreuzle gemacht wird. Da dürfte dies noch relativ egal sein.

Aber selbst hier, und um so noch mal auf die Kondome zurückzukommen, findet sich hier im Supermarkt mittlerweile eine breite Auswahl an Präservativen hübsch drapiert neben den Tampons – und auch mehrere Markengleitgel-Produkte. Wann kam denn das im Lebensmittelhandel auf? Bin ich schon so alt und überholt, dass ich meinte, die gäbe es nur im dafür spezialisierten Erotikgeschäft? (Noch Heute halte ich das Wort ”Ehehygiene” für eine Sternstunde der deutschen Sprache...)

Vielleicht packe ich das nächste Mal ein Fläschchen Durex neben die BILD...

Samstag, 29. Dezember 2007

Mein stinkendes Bundesland

”Riech mal in welchem Bundesland ich war!” waren meine ersten Worte als ich Donnerstagabend nach Hause kam. Ich stank, die antwort lautete daher: Bayern.

Als langjähriger Bewohner der Grenzregion zwischen ”Wir können alles außer Hochdeutsch” und ”Laptop und Lederhosen” hat man gelernt, mit den Eigenheiten des benachbarten Freistaates umzugehen – und davon gibt es ja so einige.
Und eine davon ist eben, dass Bayern stinkt. Jedenfalls noch 48 Stunden lang. Denn dann tritt dort auch endlich in Kraft, was anderswo in der Republik und eben auch in Baden-Württemberg seit einem guten halben Jahr schon Gang und Gebe ist: das Rauchverbot in Gastronomiebetrieben. ”Halleluja und Gott sei’s gedankt!” sag ich da als Nichtrauer. (Dieses Gesagte darf man sich ruhig zur Untermalung mit meiner wirklich nicht gelungenen Imitationen eines nicht näher konkretisierten bayerischen Dialekts vorstellen...)

Um fair zu bleiben: das Café, das ich dort in Neu-Ulm besuchte, war ganz nett (So nett wie es in einer Stadt eben sein kann, deren größte und auch einzige Attraktion der Blick auf seinen Nachbarn am anderen Donauufer ist) und der Kellner, wenn auch ganz allein hinter der Bar, schnell und freundlich. Der bekam also auch Trinkgeld.
Nur qualmte es wirklich an jedem Tisch. Außer an unserem. Eine Menge Exil-Raucher aus dem baden-württembergischen Nichtraucherschutzgebiet müssen wohl abends nach Bayern fliehen. (Ich gehe davon aus, dass sich Tschechien ab Neujahr neben Tanktourismus folglich auch über ”Rauchtourismus” freuen kann... bis eben auch dort wie im Rest der zivilisierten Welt die nötigen gesetzlichen Regelungen getroffen werden... dann muss der Raucher eben weiterfahren... Weißrussland soll ja auch ganz hübsch sein...)

Doch weil man ja die nichtrauchende Mehrheit der deutschen Bevölkerung für grenzdebil hält, da sie keinen Bock auf Lungenkrebs hat, und manch einer befürchtet, Raucher könnten bald vom WWF als bedrohte Art geführt werden, ist ja schon Verfassungsbeschwerde eingereicht worden...

Als Reaktion darauf kann man nur sagen: lasst uns froh und munter sein, denn die Mühlen der Justiz malen langsam. Bis dahin kann ich auf alle Fälle endlich einen Abend in einer Kneipe genießen ohne am Ende wie ein nikotinabhängiges Frettchen zu riechen.

Und bald kann man auch wieder nach Bayern gehen (wenn man muss) – und durchatmen...

Sonntag, 23. Dezember 2007

Mein 4. Advent

Und so steht uns das schönste Fest des Jahres wieder bevor... Frohe Weihnachten!

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Meine Weihnachtspost

97 sind es in diesem Jahr. 97 Menschen, die mir so sehr am Herzen liegen, dass ich mir für jeden von ihnen fünf Minuten Zeit nehmen möchte, um ein paar kurze, personalisierte Zeilen aus Anlass des Fests der Feste zu verfassen und diese dann dank der Mittel der modernen Kommunikation in die Welt hinauszuschicken.

97. Mal je fünf Minuten. Das heißt, ich werde nun noch irgendwie vor dem 24. Dezember acht Stunden vor dem Computer sitzen müssen, um meine diesjährige Weihnachtspost zu erledigen.

Und alle die nun mit dem alten Todschlagargument kommen mögen, dass e-Mails zu Weihnachten ja so furchtbar unschön und kalt seien, denen sei gesagt: 97.
Da muss man nicht einmal Schwabe sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass traditionelle Post wohl nur dann machbar ist, wenn man ein Briefzusteller sein eigen nennt. (Was ich zu diesem Weihnachtsfest wahrlich niemandem wünsche...)

Aber warum mache ich das überhaupt? Ich könnte ja auch schlicht und ergreifen eine nette Massenanschrift verfassen, die noch schnell in ein, zwei Fremdsprachen übersetzen und diesen 97 eigentlich lieben Menschen schicken. In zwanzig Minuten wäre ich fertig.
Stattdessen plane ich jedoch acht Stunden ein.

Nun, die einfache und sehr kurze Antwort: weil Weihnachten ist.
Die etwas längere: weil Weihnachten ist. Okay, das war jetzt nicht länger. Noch nicht. Denn weil Weihnachten ist, nehme ich mir diese Zeit. Jeder von diesen 97 Menschen hat ein wenig meiner Aufmerksamkeit verdient. Ein jeder dieser 97 Menschen war auf die ein oder andere Weise wichtig für mich während der vergangenen zwölf Monate. Sie begleiteten mich, unterstützen mich, waren Teil meines Lebens. Das mindeste was ich nun tun kann, ist mich hinzusetzen, etwas Weihnachtsmusik einzulegen, vielleicht eine Tasse Tee und Lebkuchen neben den Computer zu stellen und um dann jedem Einzelnen die einfache und so wichtige Botschaft zukommen zu lassen: Frohe Weihnachten...