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Freitag, 23. November 2007

Mein Streikbericht - Epilog

Der Streik nähert sich seinem Ende. Die arbeitende Bevölkerung kehrt Stück für Stück zur Arbeit zurück. Die Räder rollen wieder. Das Land löst sich aus seiner Starre.

Natürlich zu spät. Es war mir auch diese Woche nicht vergönnt, Paris zu besuchen.
Auch zu spät, weil ich bereits je eine Stunde hin und eine Stunde zurück Richtung Einkaufszentrum über Landstraßen spaziert war. In allerbester Nachkriegsmanier – nur in meinem Fall befand sich am Ende des Marschs nicht der Schwarzmarkt sondern ein knuffiges Outlet Centre mit hübschen Sachen von Ralph Lauren und Tommy Hilfiger. (Ich nehme auch ehrlich an, dass ich für ein Pfund Butter und Zigaretten nicht so weit gelaufen wäre...)

Seit Gestern Morgen laufen nun wieder die Busse. Seit Gestern Abend die Züge. Normalität kehrt zurück – wobei: war die in Frankreich je verloren? Die Menschen sind an diese jährlichen Ausnahmezustände gewöhnt.

Mir zeigt das nur wieder eins: abgesehen von Grammatik, Autofahren und der verblüffenden Verehrung von Romy Schneider gibt es in Frankreich immer noch Dinge, die mich einfach kopfschüttelnd zurücklassen...

Nun gilt es mich zu sputen, sonst verpasse ich meinen Bus. Und das wollen wir doch vermeiden – wenn er schon einmal fährt...

Dienstag, 20. November 2007

Mein Streikbericht

Ein müdes Lächeln huscht über mein Gesicht, wenn mir aus Deutschland vorgejammert wird, wie schlimm doch alles mit dem Bahnstreik sei. (Und dies in der Regel von Leuten, die zu letzt in den 80ern Bahn gefahren sind...)

Frankreich steht derweil still. Seit einer Woche. Kein Zeichen der Besserung in Sicht, im Gegenteil: zu erst war es der Nahverkehr, dann der allgemeine Zugbetrieb und seit dieser Tage streiken nun auch noch Lehrer, Richter, Anwälte, Krankenpfleger und Drucker. Und auch die stets streitlustigen französischen Studenten seien wieder auf der Straße... doch wo sollen die auch sonst sein, wenn sie nicht mehr mit Metro und Bus zur Uni kommen?

Vor den Toren von Paris sitzend, ist die Metropole für mich in unerreichbare Ferne gerückt. Eine Freundin ließ mich wissen, dass sie Heute vier Stunden mit dem Auto in die Stadt brauchte. Diese liegt von uns gerade mal 40 Kilometer entfernt. Denn: wo keine Bahn mehr fährt, drängt sich alles in den PKW. Das Land lahmt.

An meinem Wochenende nun steht mir nicht mehr viel offen. Zum Einkaufszentrum komm ich nicht mehr, weil kein Bus fährt. Nach Paris komme ich nicht mehr, weil keine Bahn fährt. Wenigstens gibt es noch Fernsehen... aber Halt! Auch das nicht mehr lange, wird doch auch Hollywood derzeit bestreikt...

Streik, Streik, Streik – wohin man nur blickt... Und die Franzosen? Nehmen es mit einer entnervenden Gelassenheit, dass sie von einer Minderheit ihrer Landsleute in Geiselhaft genommen werden. Wo ist der Aufschrei und die Unverständnis, die in Deutschland bei jedem Streik durch Bevölkerung und Blätterwald jagt?
Frankreich funktioniert anders... beziehungsweise funktioniert gar nicht, da Streik.

Ich kann diesen also nur aussitzen. Museen werden also nicht mehr besucht, Montmartre nicht mehr erwandert und selbst zum Friseur komme ich nicht – denn dieser ist einige Haltestellen von mir entfernt. Bushaltestellen meine ich. An denen überall so nette Streikpamphlete hängen.

Alles ist so weit. Die Tage werden lang. Und Frankreich wird immer noch bestreikt...